Kurdistan Iraq

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Palästina: Balata Refugee Camp, Nablus, Ramallah

Ya’ani hallas!

19.03.16,Tel Aviv –Ich sitze im Hinterraum eines Bazargeschäftes in der Altstadt von Jerusalem. Von draußen höre ich dumpf die Geräusche des Markttreibens. Ein zarter Windstoß rauscht durch die bunten Tücher an den Steinwänden und lässt die Ohrringe und Ketten leise klimpern. Ein langes beruhigendes Schweigen hat sich im Raum ausgebreitet. Gegenüber von mir sitzt Ahmad, dunkle kurze, an den Seiten abrasierte Haare, unter langen Wimpern grüne Augen und hinter einem drei Tage Bart ein wunderschönes, gutmütiges Lächeln. Das Schweigen wird durch einen Jungen unterbrochen, der mit zwei kleinen Espresso Tässchen auf einem silbernen Tablett hereinkommt und uns arabischen Kaffee serviert. Eigentlich bin ich auf der Suche nach Omar, mein früherer Nachbar aus Ost-Jerusalem, beide haben wir Tür an Tür im Wadi al Joz gewohnt. Ahmad und Omar sind Cousins, Anfang 20, Palästinenser. Ahmad erklärt mir, dass Omar jetzt in einem Restaurant arbeitet, denn die Geschäfte in der Altstadt laufen schlecht. Kaum noch Touristen wagen sich dorthin, zu viele Berichte über Messerattacken und wild gewordene Araber machen in den Medien die Runde. Die Menschen haben Angst. Ahmad erzählt mir, dass das schlimmste für ihn diese Verräter von der Armee sein. „Wen meinst du?“, frage ich. Die Soldaten, die vor dem Eingang der Altstadt am Damaskus Tor Wache stehen. Sie kontrollieren mich dreimal am Tag, obwohl sie wissen, dass ich hier arbeite. Sie durchsuchen meine Taschen nach Waffen und checken meinen Pass. Sie sprechen Hebräisch mit mir, dabei sind sie Araber, diese Hunde. Sprich in meiner Muttersprache mit mir, du Verräter, habe ich dem Letzten ins Gesicht gesagt und ihm vor die Füße gespuckt. Weißt du, fährt er fort, sie sind Araber und werden trotzdem israelische Soldaten, das ist der schlimmste Verrat, wie ein Messerstich in den Rücken, wie Abbas, der sich klein macht und alles tut was Netanjahu von ihm verlangt.Ahmad ist kein Unschuldiger, als Kind und Jugendlicher legt er die klassische palästinensische Widerstandskarriere hin: Steine werfen, Molotow Cocktails bauen, Soldaten angreifen. Er wird viermal verhaftet, als zwölf jähriger zwei Tage lang in Untersuchungshaft festgehalten, ohne jeglichen Kontakt zu Anwalt oder Familie, ohne das seine Familie weiß wo er ist. Mit 16 dann die letzte Verhaftung, diesmal ein ganzes Jahr. Nur wegen Steine werfen?“, frage ich naiv. Nein, antwortet Ahmad und seine Augen blitzten auf. „Nicht nur deswegen, wie heißt das auf Englisch wenn man so eine Flasche mit einer Flüssigkeit füllt und sie dann auf etwas wirft?“ Er grinst schelmisch. Ich ziehe die Augenbrauen hoch und schnalze mit der Zunge, als Zeichen meiner Abneigung. Seinem Vater wurde das wohl auch zu viel: Yaani hallas“ (dt: Schluss Jetzt), mit diesen Worten schickt er seinen Sohn für ein paar Monate zu Verwandten nach Norwegen und hofft darauf dass dieser danach mit dem Steine werfen aufhört. Es wirkt. Heute hat Ahmad sein eigenes Geschäft auf dem Bazar. Eigentlich wäre er nach dem Abitur gerne zur Uni gegangen, um später für die für die UN zu arbeiten. Doch als er 18 wurde drückte ihm sein Vater die Ladenschlüssel in die Hand und seine Zukunft war besiegelt.

Auf einmal steht Omar im Eingang des Geschäftes und ruft laut: Katrin, Yaani kif haalik?“ Mit den Sonnenstrahlen im Rücken und seiner Sonnenbrille auf, sieht er aus wie aus einem Action Film entsprungen. Er grinst mich an und ich lache. Wir beide können es kaum fassen, seit zwei Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen und unzählige Dinge sind seitdem geschehen. Für ihn hat ein Krieg und die Wiederwahl einer rechts nationalen Regierung alles verändert. Für mich nur mein bescheidene Bachelor Abschluss an der Uni und die große Frage nach der Zukunft. Zu dritt fahren wir in seinem Auto durch die Stadt, halten schließlich auf einem Aussichtspunkt und schauen auf die Lichter unter uns. Als ich frage, ob wir in meine Lieblings Bar gehen wollen, sagen sie das sei zu gefährlich für sie, seit vier Monaten waren die beiden nicht mehr in West-Jerusalem. Sie haben Angst als potentielle Terroristen erschossen zu werden. Auf meinem Rückweg von Ost nach West fällt mir auf, wie recht die beiden haben. Durchmischten sich die zwei Gruppen von Arabern und Juden zumindest ein wenig vor zwei Jahren, fällt nun jede Frau mit Kopftuch auf der Jaffa street, der Haupteinkaufszeile im Westen, auf. Die Stühle der Cafés in denen sie früher saßen und rauchten sind leer und auch in den Parks, in denen sich heimlich palästinensische und jüdisch orthodoxe Pärchen für etwas Zweisamkeit trafen, fehlen sie. Noch zieht sich die Mauer, die Ost und WestJerusalem voneinander trennt nicht durch die ganze Stadt, trotzdem ist die Grenze in den Köpfen der Menschen fest verankert.

Eine Woche später treffe ich mich mit Nir, einem guten Freund von mir, der im Gaza Krieg 2014 für die israelische Armee gekämpft hat. Er zeigt mir Fotos vor seinem Einsatz. Junge Männer, die auf Panzern Posen und dabei lachend in die Kamera schauen. „Danach hat keiner mehr gelacht“, sagt Nir. „Es war schlimm, sehr schlimm. Ich hab mich oft gefragt, ob es richtig ist. Heute weiß ich, das war es.“ Als ich ihn frage, wie für ihn die jetzige Situation in Jerusalem ist, sagt er die Leute hätten einfach keine Lust mehr, sie könnten und wollen sich nicht mehr dem ständigen Konflikt aussetzten. „Die Leute?“, frage ich. „Wir Israelis. Du weißt nicht wie das war, jeden Tag Messerattacken, Anschläge auf Busse, Sirenen Alarm. Es war nervenaufreibend und ich habe immer noch Angst um meine Freundin, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Die meisten sagen: Schluss damit, wir wollen die Stadt trennen eine Mauer um den Ostteil und keine Araber mehr hier im Westen. Das ist was sie wollen.“ In das darauf entstehende Schweigen sage ich leise vor mich hin: „Yaani hallas.“ Als wir später zu meiner Lieblingsbar an der Jaffa street gehen wollen sind die Türen verschlossen, die Bar hat zu gemacht.

Einmal nach rechts bitte

16.02.16, Tel Aviv – Eine Reihe neuer Gesetzesentwürfen von Knesset Abgeordneten heizen das politische und soziale Klima Israels in diesen Tagen ziemlich auf. So zum Beispiel das auch in internationalen Medien, diskutierte Gesetz, “Transparency law” , welches fordert, dass NGOs und Stiftungen,  deren Budget mindestens zur Hälfte von staatlichen Geldern aus dem Ausland mitfinanziert werden, sich als solche in der Öffentlichkeit kennzeichnen müssen. Private Spenden, aus denen sich vor allem nationalreligiösen Gruppen, wie Siedlerbewegungen finanzieren, werden bei der Gesetzesvorlage nicht berücksichtig. Das Wort Transparenz wird ausgenutzt, denn es geht hierbei nicht nur um die Offenlegung der Finanzierung von NGOs. Es geht um deren Stigmatisierung als ausländische Agenten oder als Lobbyisten ausländischer Interessen. In diesem Zusammenhang wurde eine Kampagne für das Gesetz von der rechtsnationalen Organisation Tirzu gestartet, die ein Video erstellt hat, in dem vier Israelis vorgestellt werden, die für Organisationen der EU oder europäische Staaten arbeiten und in dem Video als Spione betitelt werden. Das Video endet mit „Während wir den Terror bekämpfen, bekämpfen sie uns“. Letzte Woche wurde in der Knesset der Gesetzesentwurf positiv abgestimmt, da half auch der offene Brief mehrerer Europaabgeordnete nicht, die sich direkt an die Mitglieder der Knesset wandten mit der Argumentation das Vorhaben erschwere es den Freunden Israels, das Land gegen Anfeindungen zu verteidigen.

Das „Transparency law“ ist nicht die einzige Gesetzesvorlage, die im letzten Monat in der Knesset diskutiert wurde. So steht in der kommenden Woche schon ein neues Gesetz, diesmal von Benjamin Netanyahu entworfen, auf der Agenda. Es sieht die Suspendierung und Bestrafung Parlamentsabgeordneter für „unziemliches“ Verhalten vor. Hintergrund dazu ist die Beurlaubung dreier arabisch-israelischer Abgeordneter, weil sie sich mit Familien von palästinensischen Attentätern getroffen hatten. Da der von Netanjahu vorgeschlagene Entwurf eine Veränderung im Grundgesetz bedeuten würde und bräuchte dieser eine absolute Mehrheit in der Knesset Abstimmung. Ob der Entwurf dabei durchkommt ist fraglich und wenn, dann könnte das vorgeschlagene Gesetz wieder vom obersten Gerichtshof gekippt werden. Trotzdem zeigt es die scharfen Maßnahmen, die die Regierung momentan anstrebt.

Ein weiterer Gesetzesentwurf, das sogenannte „loyality Bill“, wurde von der israelischen Kultur und Sportministerin Ende Januar vorgeschlagen. Die staatliche Finanzierung von Institutionen, die Israel „attackieren“ sollen so leichter einzustellen sein. Die Ministerin, sagte dazu, dass sie nicht weiter dulden würde, dass ihr Ministerium die Rolle eines ATMs einnimmt, in der es keine Kontrolle über das Endprodukt habe. Dabei sind die Gesetze zur staatlich kulturellen Förderung in diesem Zusammenhang sowieso schon sehr strikt geregelt. Alle Organisationen die dem zionistischen Grundgedanken widersprechen, terroristische Vereinigungen fördern oder nationale Symbole missachten, werden die staatlichen Mittel gestrichen.

Die große, wie sich Israels Demokratie die kommenden Monate entwickeln wird beschäftigt nicht nur NGOs, deren Arbeit und Existenz unmittelbar davon betroffen sind, sondern auch die israelischen Medien. Auf der einen Seite begrüßen konservative Zeitungen, das von der israelischen Justizministerin Shaked vorgelegte NGO Gesetz, als Förderung der Transparenz und der israelischen Demokratie, schreiben aber auf der anderen Seite vehement gegen Netanyahus neuesten Vorstoß Parlamentarier für „unziemliches Verhalten“ zu suspendieren.

Israels Innen- und Parteipolitik ist oftmals schwierig zu durchblicken. In diesem Rahmen ist auch die Einordnung solcher Gesetzesentwürfe schwer zu durchschauen. Ob es sich hierbei um ein bewusstes politisches Kalkül der Provokation von einzelner Regierungsabgeordneter handelt, in dem Wissen, dass die Gesetzesvorlage vielleicht die erste Lesung in der Knesset besteht, aber später vom oberen Gerichtshof als unzulässig gekippt wird, ist schwierig einzuschätzen. Aber auch wenn die Gesetze nicht in Kraft treten, wird allein mit der Debatte um diese, die israelische Gesellschaft noch weiter gespalten. Vor allen Dingen das das Vertrauen in die Arbeit der NGOs und Stiftungen nachhaltig geschädigt. Ein Misstrauen gegenüber internationalen Organisationen gerade aus Europa, wurde durch die Kampagne um das Tirzu Video gestreut. Das geht inzwischen, soweit dass ich selbst auf die Frage: „Was machst du hier in Israel?“ ungern antworte für eine deutsche Stiftung zu arbeiten.

Es stellt sich die provokante Frage, ob die im letzten Monat vorgeschlagenen Gesetzesentwürfe zu einem Demokratieabbau Israels führen, der sich in einem allgemeinen Trend einreiht, wie man zum Beispiel an den europäischen Staaten Polen und Ungarn sehen kann, grade aber auch was das „Trancparency law“ betrifft, parallelen zu Russlands Umgang mit NGOs aufweist. NGOs bieten aber oftmals die einzige Plattform für Israelis, um regierungskritische Arbeit zu leisten und somit eine Stimmenvielfalt im Land zu schaffen. Wenn über die Hälfte der Angestellten in Ausländischen Organisationen Israelis sind, wie kann man dann noch behaupten, dass der politische Einfluss allein vom Ausland kommt?

Die rechts-nationale Bewegung der europäischen Staaten wie Polen und Ungarn, versuchen genau wie Israel, die Einschränkung/Beschneidung der kulturellen Vielfalt und eine Meinungsdiktatur des Staates durchzusetzen. Dieser Trend steht im Kontrast zum Grundgedanken der Demokratie, die die Stimmenvielfalt, die politische Pluralität und den Diskurs innerhalb ihrer Gesellschaft fördern sollte. Grade diese Vielfalt der israelischen Gesellschaft, die sich in Gruppen wie säkulare, national-religiöse, ultra-orthodoxe, Araber und verschiedenen Untergruppen einteilen lässt, ist das spannende und Kultur prägende an diesem Land. Eine gut funktionierende Regierung, die ein Interesse an dem innerpolitischen Frieden Israels hat, sollte das Miteinander dieser Gruppen fördern. Die anstehenden Gesetzeserlasse bewirken das genaue Gegenteil. Sie schaffen ein Misstrauen gegenüber  der Arbeit von NGOs, die sich für ein Miteinander der israelischen Gesellschaft einsetzt. Stattdessen wird versucht eine staatliche Richtung für Kultur und Meinung vorzugeben. Damit werden letztendlich die Gräben zwischen den gesellschaftlichen Gruppen tiefer und das friedliche Miteinander in Israel zerstört.

http://www.tagesschau.de/ausland/israel-ngo-finanzierung-gesetz-101.html

http://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.699663

http://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.699663

https://il.boell.org/en/2016/01/05/es-geht-darum-unbequeme-kritik-zu-delegetimieren

 

 

 

Tel Avivians

31.01.16, Tel Aviv – Es gibt einen Spruch in Israel der heißt: Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv feiert. Wenn auch klischeehaft und oberflächlich, fasst dieser Satz den Kern der drei Städte ganz gut zusammen. Besonders gegensätzlich sind die Städte Jerusalem und Tel Aviv; eine vierzig minütige Busfahrt bringt einen in eine neue Welt. Tel Aviv fühlt sich nach den Fängen Jerusalems an, als wäre man in eine Stadt gelangt ohne Schranken, in der es alles zu kaufen und alles zu tun gibt, was das menschliche Herz begehrt. So trifft man auf den Straßen die unterschiedlichsten Menschen an, die Tel Avivians, wie sich selbst nennen.

Auf dem Shuk HaCarmel probieren Touristen Sonnenbrillen und Kippas aus, während alte Frauen ihre Koffer voller Obst und Gemüse mühsam zum nächsten Marktstand ziehen, um ein besseres Schnäppchen zu ergattern. Auf der King George Street tummeln sich die Tel Avivians mit ihren Einkaufstüten, laufen vorbei an Piercing -, Tattoo Studios und Hundeverkäufern, Richtung Dizengoff Center. An der Kreuzung Allenby, King George Street liegt, in dem Gewirr von hunderten von Menschen, jeden Tag der gleiche Obdachlose neben seinem vollgepackten Einkaufswagen. In  Florentine sitzen mit runden, verspiegelten Sonnenbrillen die Hipster der Stadt, die mit betont lässiger Geste ihren Soja Latte schlürfen. Am Gordon Beach wagen sich die ersten mutigen an den Strand, um ihren Fitness gestählten Körper den Sonnenstrahlen auszusetzen, indessen in Neoprenanzügen eingepackte Surfer versuchen die nächste große Welle zu erwischen oder sich an ihren Drachen in die Höhe zu ziehen. Jeden Freitag, demonstriert eine Gruppe älterer Damen seit 1988 am Rothschild Boulevard mit selbst gebastelten Schildern gegen die Besetzung Palästinas, gegen Nachmittag trommeln die Hippies am Dolphinarium den Sabbat ein, religiöse Juden laufen unterdessen hektisch durch die leeren Einkaufstraßen Richtung Synagoge, während sich im Hintergrund der Ruf des Muezzins über die Stadt legt.

Tel Aviv ist voller Unterschiede, Parallelitäten, Gegensätze und Kontraste, es ist die Vielfältigkeit der Tel Avivians, die diese Stadt Grenzenlos erscheinen lässt.

Bessere Fotos folgen…

Auf der anderen Seite

16.01.16, Tel Aviv – Vor drei Wochen stand ich noch auf der anderen Seite der Grenze, im Libanon und blickte von den Bergen der Mleeta Landmark Ebene auf die hügelige Landschaft, die einst von israelischen Soldaten besetzt war.  Das „Mleeta Ressistance Tourist Landmark“ ist ein im Südlibanon liegender Stützpunkt der Hisbollah, der für Touristen zu einem „Freiluft Museum“ umgestaltet wurde. Seit 2010 kann hier als touristisches Kriegsereignis nun die ganze Familie zerschossene israelische Panzer bewundern. Auf der anderen Seite nur circa fünfzig Kilometer Luftlinie entfernt liegt ein israelische Stützpunkt auf Mount Bental, eines der touristischen Highlights in den Golanhöhen und ein Muss für jeden Israel Besucher. Beide, IDF und Hisbollah, nutzten diese Touristenattraktionen, um die Geschichten der Kriege aus ihrer Sicht zu erzählen.

Im Libanon habe ich kein Wort über Israel verloren, niemanden erzählt, dass ich in diesem Land ein Jahr gelebt und studiert habe und als mich beim Rückflug die Passkontrolle fragt, ob ich schon mal in Israel gewesen wäre, habe ich vehement verneint. In Israel ist es anders. Hier kann ich offen über meine Reise in den Libanon mit meinen Freunden reden. Es ist fast immer die gleiche Reaktion: erst ein erstaunter Blick, gefolgt von einem skeptischen schief legen des Kopfes und nach einem etwas längeren betreten Schweigen eine Frage nach der anderen. Wie Beirut sei, ob man im Libanon rumreisen könne, wie die Leute sind und die aller wichtigste Frage: Was denken die Libanesen von den Israelis? Eine gnadenlos ehrliche Antwort will ich hier eigentlich nicht geben, denn das Image der Israelis im Libanon ist denkbar schlecht. Umgekehrt haben die Israelis kein Problem mit dem Libanon an sich, abgesehen von Streitigkeiten mit der Hisbollah und der PLO und von der Tatsache, dass diese beide Länder im Krieg sind.  Aber erstaunlicher Weise zeigen die Israelis eher ein hohes Interesse an dem Alltagsleben ihrer Landes Nachbarn, anstatt sich in politische Aussagen zu verwickeln.

Auch sind sich die Städte Tel Aviv und Beirut gar nicht so unähnlich. Beide Städte sind geprägt feierwütigen, junge Menschen, die den militärischen Schrecken im Nahen Osten mit durchtanzten Nächten entgegen treten. Beide Städte sind die pulsierenden,  kulturellen Metropolen ihres Landes. Beide Städte sind durchtränkt von den Einflüssen einer amerikanischen Lebensweise.  Und in beiden Städte wimmelt es nur so von politischen Institutionen, in der sich das „who is who“ des internationalen Diplomaten und NGO Parketts die Hände schütteln.